SEEBEBEN 2011

Wetter verhagelt Seebeben

Babenhausen - Der Name „Open Air“ bedeuet übersetzt „an der freien Luft“ beziehungsweise unter freiem Himmel. Hier fühlt man sich in der Regel nur dann wohl, wenn diese nicht feuchtigkeitsgeschwängert ist. Von Michael Just

Die Light-Shows der Bands machten Lust auf einen rockigen Abend, das Wetter leider nicht.

Der in diesem Jahr weitestgehend ins Wasser gefallene Sommer holte nun auch das Beachfestival „Seebeben“ am Sickenhöfer See ein. Zwar traten am Samstagabend alle angekündigten Bands auf, trotzdem konnte auch der „fetteste Sound“ und die schrillendste E-Gitarre die stets wiederkehrenden Schauer nicht vertreiben. Und auf ein zweites Woodstock, das nicht zuletzt Kultstatus durch die damalige Regen- und Schlammpartie genießt, hatte ebenfalls niemand Lust.

So passierten am Ende nur rund 150 Personen das „Kassenhäuschen“ - eine Zahl, die das Orga-Team um die Handballer der SG Rot-Weiss alles andere als verdient hatten. Viele hatten die ganze letzte Woche für die zahlreichen Aufbauten – nicht selten mit Hilfe von wertvollen Urlaubstagen – geopfert. Am Ende saßen die Ausrichter mangels Beschäftigung – etwa am Getränkeausschank - selbst in den großen, superbequemen Couchformationen aus Großmutters Zeiten, die sie im VIP-Bereich eigentlich für partyhungrige Gäste hergerichtet hatten.

„Kabelbinder und Allzweckklebeband sind derzeit unsere wichtigsten Utensilien. Die brauchen wir für die Regenplanen und den Windschutz“, zeigte Andreas Bludau reichlich Galgenhumor. Für den SG-Vorsitzenden war es zumindest versöhnlich, dass der Abend zuvor mit einem Discjockey über 1 000 Personen anzog und sich auch die After-Work-Party am Donnerstag mit 350 Gästen als voller Erfolg erwies. Nur der Haupttag, der mit sechs Bands den fulminanten Abschluss darstellen sollte, erfüllte wie im letzten Jahr die Hoffnungen nicht. Laut Bludau seien die Kosten aber gedeckt, weshalb man positiv denke: „Wir haben heute das kleinste Konzert der Welt. Dazu bekamen wir das Kompliment, dass wir mit dem Blick auf den See den schönsten Backstage-Bereich aller Zeiten haben“, sagt der Babenhäuser mit reichlich Humor.

Wetter getrotzt, da Kombi-Ticket schon im Vorverkauf erworben

Zu den wenigen, die sich am See verirrten, gehörten Tim Altrichter und Sven Palberg. „Wir hatten im Vorverkauf ein Kombi-Ticket erworben“, erzählen die beiden 17-Jährigen. „Da ich in Sickenhofen wohne, bin ich trotz des Wetters gekommen“, sagt Altrichter. Jenny Wambold (17) kehrte erst vor wenigen Stunden mit den Eltern aus dem Urlaub in Italien zurück. Dort herschten Tag für Tag 30 Grad. Ihr leerer Blick lässt sich mit dieser Kenntnis besonders gut nachvollziehen. Ihr eigentliches Ziel, weitere Bekannte zu treffen, bleibt weitestgehend unerfüllt.

Besser drauf ist nur Hartmut Roeder: Der bald Mittvierziger macht Werbung für das Nonstock-Festival im Fischbachtal in zwei Wochen und gehört, wie er sagt, zum „Flyer-Street-Team“. Die letzten Wochen war er bereits in Rüsselsheim, Heppenheim, Mühlheim, Weiterstadt oder auf der Ramstädter Kerb unterwegs. Neben und auf der Zufahrt zum See findet er am Samstag aber nur ein paar Dutzend Autos vor, an denen er seine Werbekarten hinter die Regenwischer klemmen kann. Roeder sieht‘s gelassen: „Den Rest gebe ich den Leuten so in die Hand“, sagt er. Als Street-Worker falle es ihm ohnehin leicht ins Gespräch zu kommen. Den restlichen Abend genießt er die Bands, nachdem er sich mit den Veranstaltern ausgetauscht hat. „Ich bin dafür, dass die Festivals enger kooperieren, was Organiation, Ideen oder Security angeht“, sagt er. Für Nonstock hofft er, dass der Regensommer in zwei Wochen endlich mal eine Pause macht und das Wetter ein Einsehen hat.

Quelle: op-online.de